Feuer auf den Tiefen

… tief atmet er ein und fühlte die warme Luft langsam seine Kehle hinabströhmen. Seine Augen leuchteten dunkelrot, glühten wie Kohlestücke, während er in die brennende Ebene starrte. Von unten drang Knistern herauf und ein warmer Wind trieb Funken und Staubflocken zu ihm. Eine kleine Maus huschte um seine Beine. Als er hinabsah, begegneten sich ihre Blicke. Tiefes, dunkles, leuchtendes Rot brannte sich in die kleinen, schwarzen Augen der Maus. Ein Mensch hätte sich gefürchtet. Doch die Maus verharrte nur, schnüffelte und lies ihre Barthaare zittern. Ihr Blick hielt dem seinen Stand.  Ihr Körper dampfte. Kleine schwarze Stellen an ihrem Fell verrieten, dass sie aus dem Tal kommen musste, das nun ebenso bedrohlich glühte, wie die Augen des Dämons.

Als er sich in einer unterbewussten Geste an seine Stirn fasste, konnte er die klaffende Narbe fühlen, die sich über Wange und Stirn zog. Blut sickerte dunkelrot und kalt aus seinem Körper. Seinen Blick noch immer auf das kleine Wesen gerichtet, huschte ein irritiertes Zucken über sein Gesicht. Langsam lies er die Hand sinken … das Blut rann über seine Finger … die Kuppen … hinab … und tropfte neben die Maus. Jeder Tropfen hinterlies kleine dunkle Krater in dem Sand zu seinen Füssen. So wie der Hass, der dort unten im Tal sein Ventil gefunden hatte.

Die Maus weiter betrachtend, mit den Blicken ihren kleinen zitternden Barthärchen folgend. Ihre Furchtlosigkeit mit mildem Erstaunen zur Kenntnis nehmend, fühlte er plötzlich, wie Amüsement sich mit glühenden Klingen in sein Entsetzen schnitt. Schwingen entfalteten sich unsichtbar und Dunkelheit breitete ihren Schatten über die Dinge, die unter diesem Kampf litten. Die Maus zuckte, drehte sich von ihm fort und rannte weiter den Hügel hinauf. Er sah ihr nach. Als sie nach einigen Metern stehen blieb und sich umdrehte. Ihn wieder betrachtete, vermeinte er Wärme, Verstehen … vielleicht auch nur Besorgnis zu erkennen. Er drehte sich  von ihr fort, sah in die Glut und wieder zurück zu dem kleinen Tier. Seine Augen glühten auf, heller als alles, was dort unten im dem Tal wartete und ein wildes Grinsen stahl sich in sein Gesicht. Ungestühm bleckte er die Zähne. Lachte ein dunkles, grollendes, bedrohliches Lachen, welches die Maus mit einem leisen Quicken in die Flucht trieb. Dann drehte er sich mit einem Ruck zurück zur Glut und dem Tosen. Sein geschundener Körper und noch viel mehr – seine wilde Seele – richtete sich auf. Tiefes Grollen drang aus ihm, als er seine dunklen Schwingen ausbreitete und sich mit einem wilden …. verzweifelten Schrei … zurück in die Schlacht der Schafe und Wölfe warf.

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