Grauer Tag

Es ist Samstag Nachmittag. Ein seltsamer Tag. Draußen ist alles grau. Der Himmel, die Häuser, die Menschen, einfach alles. Ohne Ausnahme. Sogar meine Gedanken sind grau und bewegen sich traege dahin.

Wenn ich aus meinem Fenster sehe, kann ich einen Laubbaum erkennen. Eine Birke, glaube ich. Die verschiedenen Baumarten konnte ich mir noch nie merken. Jetzt im Winter, trägt er keine Blätter. Die dunklen, fast schwarzen Äste, hängen vor dem düsteren Himmel und wirken wie seltsame Risse in ihm. Es ist fast so als wäre die Realität zerbrochen. Als wäre sie eine bemalte Glasscheibe die irgendjemand auf den Boden geworfen hat.
Die Scheibe ist jedoch nicht zersplittert, sondern hat nur unzählige Sprünge bekommen. Wenn man dagegenstößt oder auch nur zu heftig atmet, dann zerbricht sie vielleicht ganz……….Ich halte die Luft an und atme dann nur noch ganz flach. Wer weiß, möglicherweise  zerfällt sie ja wirklich? Ich verspühre keine Lust das herauszufinden.

KAWUMM!!!!! Erschrecken. Ich zucke zusammen. Habe fuer einen Moment das Gefuehl Splitter aus der Realitaet herausbrechen zu sehen. Mein Herz rast und schlaegt wild vor sich hin. Ach so, ja, der Fernseher. Ich hatte ihn vergessen. Wie dumm von mir. Auf dem Bildschirm kann ich gerade noch ein Raumschiff explodieren sehen. Fontaenen aus Licht, die aus einem Ball aus Feuer hervorbrechen. Fuer einen Moment versuche ich mir vorzustellen, was dort passiert ist. Es ist eine dieser ueblichen Geschichten. Ausserirdische, die die Welt bedrohen. Gerade ist es zum finalen Kampf gekommen. Fiktive Menschen, die in einer fiktiven Erzaehlung einen mehr als nur fiktiven Tod sterben. Laecherlich, aber fuer kurze Zeit, war diese Geschichte realer fuer mich, als dieses
duestere Abbild einer gesprungenen Scheibe dort ausserhalb des Fensters. Ich habe mitgefiebert, die Haende zu Faeusten geballt, als der Held in einer ausweglosen Situation war und vor Erleichterung aufgeatmet, als
er entkam. Die Figuren dort auf dem Bildschirm, aufgebaut aus Elektronen schienen wirklicher, als die Menschen, die auf der Strasse vor meinem Fenster vorbeiliefen. Und wer weiss? Wer sagt mir wer realer ist? Die Entscheidung scheint bei mir zu liegen. So lange ich hier in diesem Zimmer bin, kann ich entscheiden, was existiert und was nicht. Eine Illusion, ich weiss, aber diese Glasscheibe rechts von mir und der Bildschirm vor mir sind beides nur Fenster in Wirklichkeiten, an denen ich nicht teilnehme, jedenfalls jetzt nicht. Ich bin nur Beobachter. Passiv. Kann nichts veraendern und auch nicht Handeln. Vielleicht ist es auch eine Illusion anzunehmen, ich koennte das, wenn ich auf der anderen Seite des Fensters waere….

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